Future Marketing Skills, Episode 21. Lieber woanders hören? Die Folge gibt es neben Spotify auch auf Apple Podcasts.
Vom Hustle-Modus zum Flow: Deep Work im Marketing
Wann hast du das letzte Mal so richtig tief durchgeatmet? Nicht zwischen zwei Calls, mit halbem Auge auf LinkedIn und der nächsten Deadline im Nacken, sondern wirklich? In dieser Folge von Future Marketing Skills spricht Susanne Trautmann mit Britta Behrens darüber, wie aus dem Hustle-Modus echter Flow wird. Es geht nicht um Reichweiten-Hacks, sondern um Deep Work, Pausen ohne schlechtes Gewissen, die eigene Kalender-Hoheit und die Kunst, Nein zu sagen.
Britta Behrens ist LinkedIn-Expertin, Social-Selling-Strategin und OMR-Speakerin, seit diesem Jahr in voller Selbstständigkeit. Sie kennt den Vollgasmodus und sagt trotzdem ehrlich: Noch mehr Kaffee, offene Tabs und Hustle machen die Arbeit nicht automatisch besser.

Warum mehr Arbeit nicht die Antwort ist
Nicht wer am längsten im Büro sitzt, gewinnt, sondern wer seine Ressourcen klug einsetzt. Am Ende zählen Ergebnisse, nicht abgesessene Stunden. Britta Behrens‘ Leitsatz: work smart, not hard.
Heldin im Chaos: Flow beginnt bei den Stärken
Britta beschreibt sich als Heldin im Chaos: Ein Kleingeist hält Ordnung, ein Genie überblickt das Chaos. In den Flow kommt sie am besten, wenn sie an ihren Stärken arbeitet, an Themen, für die sie brennt und in die sie wie in ein Rabbit Hole eintaucht. Der Weg dorthin führte über die Spezialisierung (T-Shape) statt über die Rolle als Marketing-Generalistin.
Der Flipperautomat im Kopf
Ihr Kopf funktioniert wie ein Flipper, in dem Ideen hin- und herbouncen. Statt stur einer To-do-Liste zu folgen, springt sie bewusst dorthin, wo sie gerade einen guten Impuls und Energie hat, und erledigt Aufgaben dann, wenn sie ihr leichtfallen. So bleibt sie im Flow, weil sie im Moment das tut, was gerade Sinn ergibt.
Deep Work zur richtigen Tageszeit
Britta kennt ihre Leistungskurve: Deep Work gelingt ihr vormittags am besten, deshalb legt sie Kennenlern- und Briefinggespräche bewusst in den späten Nachmittag. Zu wissen, wann die eigenen Hochphasen liegen, ist der Schlüssel, um anspruchsvolle Aufgaben in kürzerer Zeit und besserer Qualität zu erledigen.
Die eigene Leistungskurve zu kennen, ist der erste Schritt. Der zweite: aus diesem Wissen eine Routine zu machen, die auch in einem vollen Marketingalltag funktioniert. Wie kleine, strategisch gesetzte Gewohnheiten dabei helfen, zeigt Sofie Flurschütz in Episode 11: Micro Habits im Marketing: kleine Routinen, große Wirkung.
Eat the Frog? Warum Britta anders vorgeht
Statt dem Dogma zu folgen, immer das Schwierigste zuerst zu erledigen, geht Britta oft zuerst die leichten Dinge an und nutzt deren Energie. Erst wenn eine Aufgabe zeitkritisch wird, legt sie den Fokus-Schalter um und arbeitet konzentriert, dann muss sie sich vor dem Perfektionsmodus bremsen.
Was Überlastung sie gelehrt hat
Jahrelanger Hustle von morgens acht bis abends acht führte zu psychosomatischen Beschwerden. Die harte Lektion: An die eigenen Grenzen zu kommen zeigt, dass es so nicht weitergeht. Heute schafft sie mit Pausen entspannter und qualitativ besser, was früher zehn oder zwölf Stunden gekostet hat.
Pausen ohne schlechtes Gewissen
Ausgedehnte Mittagspausen, ein Spaziergang, in die Ferne schauen statt in den Bildschirm, das erdet und bringt neue Gedanken. Auch ein ruhiger Start in den Tag, mit Frühstück statt sofortigem Kaffee-und-Laptop, verbessert die Ergebnisse spürbar.
Kalender-Hoheit und Nein sagen
Britta gibt keinen offenen Kalender-Link heraus, bei dem jeder über ihre Zeit verfügt, sie entscheidet selbst über ihre Zeit. Der Schritt in die volle Selbstständigkeit war die Konsequenz aus dem Wunsch, im eigenen Flow und ohne fremde Deadlines zu arbeiten, bewusst als Solopreneurin und Spezialistin, nicht als Skalierungsprojekt.
Kalender-Hoheit und ein klares Nein sind mehr als Methoden für besseres Zeitmanagement. Beides hilft, die eigene Kraft einzuteilen, Prioritäten zu schützen und handlungsfähig zu bleiben. Warum genau diese Form von Resilienz entscheidend dafür ist, dass Marketing als Businesspartner ernst genommen wird, vertieft Dirk Miller in Episode 17: Resilienz im Marketing: So wird Marketing zum Businesspartner.
Energie-Radar: die richtigen Projekte wählen
Über ihre Personal Brand kommen Anfragen direkt herein, das ist der erste Filter. Kunden, die selbst noch nicht überzeugt sind, sagt sie ehrlich ab, weil halbherzige Umsetzung am Ende auf sie zurückfiele. Auch bei Social-Selling-Trainings achtet sie darauf, dass Teilnehmende freiwillig dabei sind, statt eine Maßnahme aufgezwungen zu bekommen.

Häufige Fragen zu Deep Work und Flow im Marketing
Wie kommt man vom Hustle-Modus in den Flow?
Indem man an den eigenen Stärken arbeitet, Aufgaben dann angeht, wenn Energie und Impuls da sind, und Pausen bewusst zulässt. Nicht mehr Stunden, sondern klüger eingesetzte Ressourcen führen zu besseren Ergebnissen: work smart, not hard.
Was ist Deep Work und wie nutzt man es im Marketing?
Deep Work ist konzentrierte, ablenkungsfreie Arbeit an anspruchsvollen Aufgaben. Britta Behrens legt sie in ihre vormittägliche Hochphase, schließt ablenkende Tabs und verschiebt Gespräche in den Nachmittag. Entscheidend ist, die eigenen Leistungszeiten zu kennen und zu schützen.
Sollte man immer das Schwierigste zuerst erledigen (Eat the Frog)?
Nicht zwingend. Britta geht oft zuerst leichte Aufgaben an, nutzt deren Energie und wechselt in den Fokus, wenn eine Aufgabe zeitkritisch wird. Wichtig ist ein Vorgehen, das zum eigenen Arbeitsrhythmus passt.
Wie schützt man seine Fokuszeit?
Durch Kalender-Hoheit: keinen offenen Buchungslink, ablenkende Kanäle wie LinkedIn während Deep Work schließen und anspruchsvolle Arbeit in die persönliche Hochphase legen. So bleibt Raum für konzentriertes Arbeiten.
Wie sagt man im Marketing gesund Nein?
Indem man früh und offen kommuniziert, wenn Aufgaben nicht zu den eigenen Stärken passen, und Projekte oder Kunden ablehnt, bei denen die Grundlage fehlt. Selbstbestimmtes Arbeiten und klare Kommunikation mit der Führungskraft helfen, Überlastung zu vermeiden.